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Hockenheim Jim Clark Revival 2015 und wie es dazu kam....
Lange habe ich mich auf diesen Tag gefreut. Ich suchte 2012 im Internet nach einem Formel Ford 1600 Motor. Seit mehr als 25 Jahren stand mein alter Formel Ford Eigenbau mehr oder weniger Schrottreif in der Garage. Bei der Suche nach Material stiess ich auf meinen Formel 3 von 1992.

Ich fuhr im August 2012 in die nähe von Bitburg, wo der Ralt RT 36 stand. Ich sendete ein paar Fotos zu Diethelm, meinem alten Freund und damaligen Mechaniker bei GM Motorsport. Der erkannte "seinen" Formel 3 nicht gleich wieder. Andere Farben und der Zustand wiesen nicht gerade auf den Ralt hin, den er damals betreute.

Sofort flammte auch in ihm wieder das Feuer auf. "Was hast Du vor, was machst Du damit?" kam sofort zurück. Ihn kaufen. "Ok, wann holen wir den ab..." Diethelm war dabei. Es war dann zwei Wochen danach eine schöne Tour mit einem 7,5 Tonner von Britec Motorsports. Alte Storys kamen auf und wir freuten uns darauf, mit unserem alten Formel 3 bald wieder irgendwo zu fahren. Ziele waren gleich gesteckt. Wir müssen wieder nach Monaco. Zum Historischen Grand Prix.

Doch dass soll noch ziemlich lange dauern, lässt doch der Veranstalter in Monte Carlo derzeit nur Formel 3 Autos bis zum Baujahr 1984 zu. Eine Alternative bietet da das Jim Clark Revival in Hockenheim. Es gibt dort die Möglichkeit im Raceclub Germany zu fahren.

Diethelm startete das Projekt Formel 3 und im Dezember 2014 stand ein komplett top restaurierter Ralt RT 36 bei Britec Motorsports. Eine Augenweide das Auto heute. Britec Inhaber Mike Gensemeier freundete sich mit Diethelm schnell an. Und als Diethelm mal zu einem Rennen nach Assen mitfuhr, war schnell klar, Diethelm muss und will wieder Motorsport machen. Lange war er im Audi Betrieb von Motorsportlegende Willi Bergmeister als Kundendienstleiter. 2013 wechselte er zu Britec Motorsports und kümmert sich seit dem wieder um Rennfahrzeuge.

Nun ging es voller Vorfreude nach Hockenheim. Veranstalter Wolfgang Huter gab uns die Einsatzmöglichkeit im Raceclub Germany. Am Donnerstag gab es schon die ersten Testsessions. Dort fuhren wir erstmals nach 23 Jahren mit dem Ralt RT 36.

Ich fuhr aus der Box, es ist ewig her, dass ich das Auto fuhr, aber trotzdem war es ein vertrautes Geräusch. Und seit ewigen Zeiten mal wieder eine H Schaltung, erster Gang behutsam beschleunigen, zweiter Gang. Wie sind die Reifen? Hat das Grip? Wie war der Grip damals? Hatte das Down Force? Ich bin 800PS Autos in der Zwischenzeit gefahren, mit viel Down Force, auf Formel 1 ähnlichem Niveau. Das hier hat gerade mal 180 PS. Aber es macht verdammt viel Spass. Dritter Gang, ein breites Grinsen im Gesicht, vierter Gang. Hammer, nach all den Jahren. Das macht Spass.

So drehte ich einige Runden und spürte eine grosse Freude. Fahrspass pur. Kein Rennstress, einfach nur Spass haben. Doch der Spass war auch erstmal am Donnerstag schnell vorrüber. Mit einem surrenden Geräusch Eingangs Motodrom, verabschiedete sich der Motor, nach dem der Zahnriemen gerissen war. Shit. Aber ich vertraue ja nicht umsonst auf die "Künste" von Diethelm und Britec Motosports. Mike Gensemeier weilte am Donnerstag noch in Unna. Sofort steuerte er sein Lager an und unser zweiter Motor wurde eingeladen und nach Hockenheim gebracht. Wie schon damals, gilt das Motto "aufgeben gibt's nicht".

Dass mir das Wochenende noch eine ganz besondere Premiere bringen sollte, konnte ich noch nicht ahnen. Ich bekam noch die Chance einen Formel 1 zu fahren. Damit hatte ich nicht gerechnet und war überrascht und dankbar zugleich.

Es sollte ein Shadow DN 11 aus dem Jahre 1980 sein. Damals gefahren von Stefan Johansson. Im Sportwagen ein harter Gegner und Freund. Ich schrieb ihm gleich auf Facebook: "Sorry mate, I have to use your car". Er schrieb zurück, ich solle den Spass geniessen, aber aufpassen. In schnellen Kurven würde die Lenkung schon mal "stecken"... Na prima, dachte ich...

Aber auch die Ausfahrt machte eine Menge Spass. Erstmals im Formel 1 Auto. Etwas zu spät, genau genommen 23 Jahre, aber immerhin. Ich genoss es, auch wenn ich nicht richtig an das Limit ging. Bei der Drehzahl liess ich schon mal locker 2000 Umdrehungen Luft. Ich wollte Spass haben und nichts riskieren. Es ist immerhin nicht mein Auto und es geht um nichts, ausser Spass haben.

Es liess sich einfach schalten. Das Getriebe funktionierte Butterweich bei dem Auto. Beim lenken war das schon etwas anderes. In den letzten beiden Kurven vor Start und Ziel, nahm ich sogar den Daumen unter die Lenkradspeiche um das Lenkrad im Kurvenausgang besser zu halten. Zu hoch waren die Kräfte, denn es muss ja noch eine Hand an den Schalthebel. Das waren noch Boliden. Das waren noch Männer, die das am Limit bewegt haben, dachte ich. Heut zu Tage muss Formel 1 fahren ja ziemlich einfach sein, wenn 17 Jährige auf Anhieb schnell sind. Da hat ein Ayrton Senna länger auf seine ersten guten Ergebnisse gewartet.

Und jetzt war mir klar warum...

Ein riesen Dankeschön für die Unterstützung, für dieses tolle Wochenende, an meinen Freund und Mechaniker Diethelm Werbinsky und Mike Gensemeier von Britec Motorsports und auch an meinen alten Weggefährten Marcus Sarach. Damals wie heute Mechaniker an meinem Formel 3. Leider konnte er am Wochenende nicht dabei sein. Danke für die Chance einen Formel 1 zu fahren. Der Besitzer möchte eher ungenannt bleiben. Und ein Dank an Fredy Lienhard, der immer ein Herz für den Motosport hat und uns eine kleine Unterstützung (autobau.ch) zu kommen lässt, damit wir einen tollen Auftritt (Lista Werkzeugschränke) haben.

Ich freue mich schon auf das nächste Mal.
Bis dann.
Marco Werner